Zunächst sollte man sich nochmals ins Gedächtnis rufen, was sich seit März 2011 in der Schulentwicklung getan hat.

Die verbindliche Grundschulempfehlung wurde als erstes gekappt.

Außerdem trat die damals gewählte Landesregierung mit der Aussage an: Jede Gemeinde hat in ihrer Schulentwicklung freie Hand. Daraufhin haben wir Freie Wähler den Antrag gestellt, die Grundschule auf 6 Jahre auszudehnen. Die Kinder hätten dann zwei Jahre mehr Zeit gehabt, um sich zu entwickeln. Diese Idee war schnell vom Tisch, da die Landesregierung die Freiheit der Schulentwicklung ein erstes Mal einschränkte, sechsjähriges gemeinsames Lernen und anschließendes Aufteilen auf ein drei- oder zweigliedriges Schulsystem war nicht erwünscht – die Gemeinschaftsschule (GMS) war gewollt!

Nach langer Diskussion innerhalb der Fraktion haben wir uns dann dazu durchgerungen, für Hemmingen eine GMS mitzutragen. Prompt folgte die zweite Einschränkung der Wahlfreiheit: Die GMS musste mindestens zweizügig sein. Ein Erreichen dieses Zieles ist für Hemmingen alleine illusorisch, selbst mit der Hauptschule (HS) in Schwieberdingen zusammen, wäre dies nicht möglich gewesen.

Um trotzdem voranzukommen, setzten sich die Schulleitungen der Schwieberdinger HS, der Hemminger Werkrealschule (WRS) und der Realschule (RS) Schwieberdingen-Hemmingen zusammen um ein Konzept für eine große GMS zu erarbeiten. Überraschenderweise funktionierte diese Zusammenarbeit, man kam voran, inzwischen sind auch die Kollegien mit eingebunden.

Mit dem Glauben, dass diese Zusammenarbeit funktioniert, stellten wir Freie Wähler einen weiteren Antrag: Gründung einer GMS Schwieberdingen-Hemmingen unter der Federführung der RS Schwieberdingen-Hemmingen mit den Standorten Schwieberdingen und Hemmingen, also einer horizontalen Teilung. Wir gingen zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass die Jahrgänge 5 und 6 dieser GMS in Hemmingen unterrichtet werden, die Jahrgänge 7 bis 10 dann in Schwieberdingen.

Inzwischen war ein Vertreter des Schulamtes in einer – nichtöffentlichen – Gemeinderatssitzung zu Gast.

Dieses Gespräch brachte uns folgende Erkenntnisse:

– Die HS Schwieberdingen, die WRS Hemmingen und die RS Schwieberdingen-Hemmingen würden nach Gründung einer GMS keine Fünftklässler mehr aufnehmen und nach spätestens 6 Jahren ihren Betrieb einstellen.

– Die GMS kann mit einer Vierzügigkeit rechnen.

– Die GMS sollte an ihrem Hauptstandort (RS) starten, d.h. die Jahrgänge 5 bis 8 bleiben in Schwieberdingen, die Jahrgänge 9 und 10 kommen nach Hemmingen. Darüber wird dann zu gegebener Zeit entschieden, in Abwägung der vorhandenen Räume sowie der pädagogischen und unterrichtsorganisatorischen Notwendigkeiten.

– Eine gymnasiale Oberstufe sollte im Angebot der GMS enthalten sein.

– Eine horizontale Teilung ist pädagogisch nicht sinnvoll.

– Der Vertreter des Schulamtes lieferte uns allerdings keine verlässliche Aussage über den Raumbedarf einer GMS.

Nach langen Diskussionen und reiflicher Überlegung können wir einem Antrag zustimmen, der die Gründung einer GMS Schwieberdingen-Hemmingen unter der Federführung der RS Schwieberdingen-Hemmingen vorsieht. In diesem Antrag sollte die Option einer horizontalen Teilung und einer gymnasialen Oberstufe enthalten sein. Träger dieser Schule wird der GVV Schwieberdingen-Hemmingen.

Diese Lösung bietet uns mehrere Vorteile:

– Eltern und Schüler wissen, dass es für sie ab dem Schuljahr 2013/2014 eine weiterführende Schule geben wird, in der alle bisherigen weiterführenden Angebote enthalten sind.

– Die Schule erhält eine neue Schulleitung, es ist also auch in diesem Sinne ein echter Neuanfang.

– Träger dieser Schule ist der GVV, damit sind wir Hemminger daran beteiligt und die Schule ist – wie seither schon die RS – auch unsere Schule, selbst wenn das Hauptgebäude und die Schulleitung in Schwieberdingen sind. Die Tatsache, dass es mit unsere Schule ist, ist leider bisher nicht ausreichend in unserem Bewusstsein verankert.

– Wir können abwarten, wie sich die Schülerzahl entwickelt und müssen erst in drei oder vier Jahren entscheiden, ob zusätzliche Räume benötigt werden und wenn ja, wo sie gebaut werden.

– Wir sehen in dieser Lösung keinen Standortnachteil für Hemmingen, da wir ja über den GVV Schulträger sind. Im Gegenzug bieten wir eine hervorragend ausgestatte Grundschule, in der sehr gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer nach modernsten Methoden unterrichten. Es gibt sogar genügend Platz, um diese Grundschule – falls erforderlich – im Ganztagesbetrieb zu führen. Außerdem bieten wir in Hemmingen eine außerordentlich gute Kinderbetreuung, um die wir von vielen umliegenden Gemeinden beneidet werden. Dies ist mit Sicherheit ein ganz wesentlicher Standortvorteil.

– Inzwischen hat übrigens auch die Landesregierung erkannt, dass man Schule sich nicht nur von selbst entwickeln lassen kann, sondern, dass bestimmte Vorgaben gemacht werden müssen, an denen man sich sowohl als Schule als auch als Kommune ausrichten kann und hat deshalb einen regional abgestimmten Schulentwicklungsplan angekündigt.

Seit gestern wissen wir, dass sich die oben angesprochene gute Zusammenarbeit nicht dem ganzen Lehrerkollegium der RS erschloss. Der Antrag, die RS ab dem Schuljahr 2013/2014 in eine GMS umzuwandeln, wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt. Dies ist zwar sehr bedauerlich, wir müssen diese Entscheidung aber akzeptieren, denn wenn diejenigen, die die Beschlüsse umsetzen müssen, nicht im Boot sind, fällt es schwer, an einen Erfolg zu glauben. Andererseits biete uns diese Entscheidung auch die Möglichkeit, die Aufklärung bzgl. der GMS voranzutreiben.

Zum Schluss wünschen wir uns, dass Eltern und Kinder unsere heutigen Entscheidungen – wenn auch schweren Herzens – billigen, den neuen Kindergarten und diese neue Schulart akzeptieren und sie damit zu einem Erfolg werden lassen.

Für die Fraktion der Freien Wähler

Wolfgang Gerlach


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