Mitte letzter Woche machten wir uns auf den Weg ins Rathaus. Wir besuchten Herrn Schäfer, um mit ihm über seine ersten vier Jahre als Bürgermeister zu sprechen.

Dieses Gespräch ist die Fortsetzung zu unserem Bericht „100 Tage Bürgermeister Schäfer“ vom 25.06.2010. Damals wurde Herr Schäfer gebeten, drei Schlagworte für seine ersten 100 Tage Amtszeit zu formulieren, damals hatte er die Worte „Eingewöhnung“, „Themenvielfalt“ und „beschnuppern“ gewählt. Wir waren sehr neugierig, welche Worte ihm für die vier zurückliegenden Jahre einfallen würden, und begannen das Gespräch mit dieser Frage. Nach kurzem Überlegen fielen die Worte: „angekommen“, „angenommen“ und „Aufbruch“. Diese sehr aussagekräftigen Worte bestätigten unser Bild eines Bürgermeisters, der sich in seinem Amt berufen und angenommen fühlt.

Vier Jahre im Amt, gibt es da Ratschläge oder Lebensweisen, die ihn in seinem Amt begleiten?

Eigentlich nicht, ließ er uns wissen. Er nehme sich gerne Zeit, um inne zuhalten und in Ruhe über anstehende Entscheidungen nachzudenken.

Und wie sieht es mit den Vorstellungen und Erwartungen aus, die er zum Amtsantritt

mitgebracht hat – decken die sich mit den Aufgaben?

Durch seine vorherige Tätigkeit in der Asperger Verwaltung, war ihm klar, was die Arbeit als Bürgermeister mit sich bringt. Daher kann er diese Frage vorbehaltlos bejahen.

Er gibt aber zu bedenken, dass die Außenwahrnehmung, die man von den Möglichkeiten des Amtes des Bürgermeisters hat, eine andere ist. Tatsächlich sind dem Handeln und Gestalten durch EU-Vorgaben und rechtskräftigen Gerichtsurteilen zunehmend Grenzen gesetzt.

Dank seines Vorgängers, der ihm ein finanzstarkes Hemmingen hinterlassen hat, kann er aber mehr bewirken als Kollegen aus anderen Kommunen. Ein besonderes Bonbon aus diesem Erbe ist der Familienfreizeitplatz.

Wie gelingt es ihm Traditionen zu bewahren?

Er setzt sich in besonderem Maße für optimale Rahmenbedingungen ein, um traditionelle Feste der Gemeinde zu erhalten, und auch um neue zu fördern.

Mit Herrn Schäfer zog die Politik der offenen Tür ins Rathaus ein. Wir wollten wissen, wie es dazu kam und ob diese von den Bürgern genutzt wird.

Anfangs gab es die Überlegung feste Bürgersprechzeiten anzubieten. Folglich wäre er aber zeitlich an diese gebunden gewesen. Deshalb schien ihm die Politik der offenen Tür die bessere Lösung zu sein. Tatsächlich wird dieses Angebot nur sehr selten genutzt. Vielmehr nutzen die Bürger neue Medien, wie beispielsweise Email und Facebook. Neben der Beantwortung der elektronischen Post, beobachtet er u. a. Einträge bei Facebook, um, wenn nötig, klärend einzugreifen.

Auf die Frage nach schwierigen Situationen oder Begegnungen der letzten vier Jahre, kommen ihm sofort zwei sehr bewegende Momente in den Sinn.

Zum Einen, den Tag, an dem er die Absage zum Bau der Nordrandstraße in der Hälde erhielt, diesen bezeichnete er als den schwärzesten Tag seiner bisherigen Amtszeit.

Zum Anderen, zählte er die nur sehr knappe Entscheidung für das Kinderhaus an der Schule zu einer der nervenaufreibendsten Abstimmungen der vergangenen vier Jahre.

Was gefällt ihm gut an Hemmingen?

Die geschlossene Struktur des Ortes, die alt und neu verbindet. Dazu kommt die sehr gute Lage gekoppelt mit der guten Anbindung an die umliegenden Städte. Die gute Einbettung in Wald, Feld und Flur sorgt für einen hohen Naherholungswert, obwohl Hemmingen im waldärmsten Teil der Region liegt.

Und welche Projekte der zurückliegenden Zeit bereiteten Herrn Schäfer die meiste Freude?

Hier nannte er uns den Familienfreizeitplatz, dessen Entstehen gekennzeichnet war, von einer guten Zusammenarbeit mit interessierten Bürgern, und sehr gut angenommen wird.

Auch die gelungene Gründung der Naturenergie Glemstal GmbH, welche Hemmingen mit Fernwärme und Strom versorgt, war ihm sehr wichtig. Dank der Naturenergie ist Hemmingen in Sachen Strom unabhängig.

Einen Meilenstein für Hemmingen sieht er im Verwirklichen der Hälde. Wenn alles gut geht, rollen hier Mitte Mai endlich die Bagger. Die ersten Bewohner können dann Weihnachten 2016 im neuen Heim feiern.

Welche Entwicklung bereitet unserem Bürgermeister die größte Sorge?

Der zunehmende Individualismus unserer Gesellschaft, kam die prompte Antwort. Der wachsende Mangel an 30-50 jährigen Bürgern, die bereit sind, sich ehrenamtlich einzubringen, greift um sich.

Noch ist die Tagesversorgung der freiwilligen Feuerwehr dank der Landwirte und einiger Arbeitnehmer am Ort gesichert. Aber in den Vereinen und in der Kommunalpolitik spannt sich die Lage bereits spürbar. Dieser Entwicklung entgegenzuwirken, um somit eine gewisse Lebensqualität im Ort zu erhalten, wird eine wichtige Aufgabe der kommenden Jahre sein.

Und wie sieht es mit den Folgen der demografischen Entwicklung aus?

Herr Schäfer sieht Hemmingen für die Probleme der demografischen Entwicklung im Vergleich zu anderen Kommunen gut gerüstet. Als Beispiel nannte er den Geschosswohnungsbau im Schlosspark und dessen gute Anbindung an die Versorger. Dadurch ist barrierefreies Wohnen bis ins hohe Alter möglich. Auch mit der von DistelART ins Leben gerufene Initiativgruppe „Mehrgenerationenprojekt“ ist Hemmingen, seiner Meinung nach, auf dem richtigen Weg.

Wie steht Herr Schäfer zu einer Beteiligung Hemmingens am interkommunalen Gewerbegebiet?

Da Hemmingen über keine weiteren Gewerbeflächen am Ort verfügt, kann eine Beteiligung durchaus interessant sein. Vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen. Jede Investition muss sehr kritisch betrachtet werden. Was kostet es die Gemeinde und welchen tatsächlichen Nutzen hat Hemmingen davon. Und, vor allem, wie viel Geld bindet diese Investition in der Zukunft.

Zum Schluss baten wir den Bürgermeister uns seine drei wichtigsten Projekte der kommenden vier Jahre zu nennen.

Die großen Themen der kommenden vier Jahre werden das Umsetzen der Hälde, der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses und die Revitalisierung der Parkanlage des Schlosses sein.

Privat plant Herr Schäfer sich auf den Weg zu machen, sein einziges Wahlversprechen einzulösen, um sich, wie auch schon sein Vorgänger, dauerhaft in Hemmingen niederzulassen – vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit in der Hälde.

Wir danken Herrn Schäfer für das interessante und nette Gespräch.

4 Jahre BM Schäfer

Das Gespräch führten Sabine Waldenmaier, Philipp Hund und Günter Ramsaier.


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