Im zweiten Teil unseres Jahresrückblicks wollen wir uns auf die in unserem Ort „sichtbaren“ Folgen der Gemeinderatsbeschlüsse konzentrieren.
Es wurde in diesem Jahr in Hemmingen eifrig gebaut. Angefangen hat es mit dem dritten Teil der Instandsetzung unserer Schule, nächstes Objekt war dann die Renovierung des Kinder-gartens in der Hauptstraße und auch auf dem Friedhof sind die Bagger und Raupen zu Gange. Es lief nicht immer alles rund auf diesen Baustellen, zum Teil lag es an unzuverlässigen Unternehmern zum Teil aber auch an der schleppenden Anlieferung der Baumaterialien. Wir sind trotzdem guten Mutes, dass die angesprochenen großen Baustellen im Frühsommer nächsten Jahres abgeschlossen sein werden und unser Augenmerk – und das der Verwaltung – verstärkt auf die Erschließung der neuen Baugebiete und auch auf die Umsetzung unseres Antrages bzgl. eines Freizeitgeländes für junge Familien gerichtet werden kann.
Auf zwei Beschlüsse des Gemeinderates, die dieser in den letzten Wochen einstimmig gefasst hat, möchte ich heute noch ein wenig näher eingehen.
Beide Beschlüsse werden durch viele Gemeinsamkeiten vereint:

Es waren politische Entscheidungen,
sie haben viel mit unserer Geschichte zu tun,
sie kosten viel Geld, das auch als Zuschuss vom Land kommt,
sie wurden in den Gremien und werden in der Bevölkerung sehr kontrovers diskutiert.
Sie haben natürlich sofort erkannt, dass es um das Anwesen in der Eisgasse 5 und 7 – im Haushalt unter „Schaffung heimatgeschichtlicher Räume“ zu finden – und um den Weiterbetrieb der Strohgäubahn geht.
Die Zustimmung zu diesen beiden Punkten ist uns Freien Wählern nicht wirklich leicht gefallen und wurde auch erst nach langen und sehr intensiven Diskussionen in der Fraktion getroffen.
Wesentliche Gesichtspunkte zur Entscheidung für eine Sanierung der Gebäude in der Eisgasse 5 und 7 waren sicherlich, dass der einzige intakte Teil der Ortsettermauer betroffen ist und dass die letzte große Scheuer im Ort unbedingt erhalten werden sollte. Mit ausschlaggebend war für uns aber auch, dass das Anwesen inzwischen im Sanierungsgebiet liegt, und die Kosten für das Projekt deshalb zu einem großen Teil über das Landessanierungsprogramm abgewickelt werden können.
Wir Freien Wähler werden aber unser Augenmerk bei jedem Beschluss zu diesem Komplex vor allem auch auf die Finanzen richten, uns genügt an dieser Stelle ein „Golf“, wir brauchen dort keine „S-Klasse“!
„Warum wollt ihr das Bähnle nach Heimerdingen fahren lassen und die hohen Sanierungskosten damit in Kauf nehmen, wo doch bei diesen Fahrten hauptsächlich Luft transportiert wird?“
„Legt doch dieses Millionengrab still!“
Diese drastischen Aussagen zeigen, dass diese Angelegenheit in Hemmingens Bevölkerung heftig umstritten ist.
Auch in unserer Fraktion wurde intensiv diskutiert. Am Ende überwogen dann die Argumente, die für eine Fortsetzung unseres Engagements für die Strohgäubahn sprachen.
Einige dieser Gründe möchte ich an dieser Stelle nochmals anführen:

Das vom Landkreis in Auftrag gegebene Gutachten spricht der Streckenführung von Heimerdingen bis Korntal die besten Prognosen zu,
die Stadt Ditzingen hat ihren Anteil an den Kosten fast verdreifacht, was dafür spricht, dass sie den Haltepunkt Heimerdingen unbedingt wollen,
das Land beteiligt sich mit nahezu 50 % an den Investitionskosten, vom Rest übernimmt der Landkreis ca. 60 %,
es wird durch die geplanten Maßnahmen eine deutlich Verbesserung des Fahrplanangebotes geben – so wird die Bahn uns Fahrgäste zukünftig (ab September 2009) auch am Samstag und am Sonntag und zusätzlich an allen Wochentagen bis kurz vor Mitternacht bedienen, des weiteren soll die Fahrzeit um ca. 5 Minuten verkürzt werden,
es wurde zugesagt, einen Kooperationsvertrag mit dem Verband Region Stuttgart – mit dem Ziel einer Fortführung der Bahn bis nach Feuerbach – abzuschließen und außerdem das Strohgäubuskonzept mit dem Ziel fortzuschreiben, die vielen Parallelfahrten von Bussen und Bahn einzuschränken,
jeder Fahrgast der Bahn nutzt weder den Bus noch den privaten PKW um nach Stuttgart zu kommen und sorgt damit dafür, dass unser vom Verkehr stark belasteter Ortskern entlastet wird,
in Zeiten wie der heutigen, in der alle Welt von Rezession spricht, muss sich die Öffentliche Hand antizyklisch verhalten und Investitionen tätigen, um die schwächelnde Konjunktur wieder anzukurbeln,
und nicht zuletzt wollten wir eine Endhaltestelle in Hemmingen mit all ihren Lärmproblemen verhindern!
Mit diesen überzeugenden Argumenten konnten auch die Skeptiker in unserer Fraktion sich dazu entschließen, den Beschlussvorschlag der Verwaltung nicht abzulehnen.
Eine Sorge, die in der Bevölkerung umgeht, möchte ich zum Schluss meiner Ausführungen noch ansprechen und unsere Meinung dazu kund tun.
Beide angesprochenen Projekte kosten eine Menge Geld, mit dem man sicherlich viele andere Wünsche erfüllen könnte.
Beide Projekte werden aber in großem Umfang von Land und Landkreis bezuschusst, belasten zwar auch unseren Haushalt, jedoch nicht in vollem Umfang der anfallenden Kosten.
Dem kann man entgegnen, dass diese Zuschüsse auch Steuermittel sind, die von uns Bürgerinnen und Bürgern aufgebracht werden müssen. Das ist vollkommen richtig!
Diese Mittel sind aber in den jeweiligen Haushalten eingeplant und werden deshalb auch ausgegeben – und wenn wir sie nicht abrufen, dann fließen sie halt anderen Gemeinden zu.
Wollen wir dies? Nein!
In diesem Fall bin ich schon ein wenig Kirchturmpolitiker, da ist mir das Hemd näher als der Kittel.
Deshalb haben wir für Hemmingen gehandelt, im Sinne von „Hemmingen geht uns alle an!“
Wir, das sind Ursula Tronich, Eberhard Kammerer und Wolfgang Gerlach – Ihre Mitglieder der Freien Wähler im AUT – wünschen Ihnen eine ruhige Adventszeit, besinnliche Weihnachten und für das Neue Jahr alles erdenklich Gute.

Wolfgang Gerlach
(Fraktionsvorsitzender)


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