Anfang Juni trafen sich die Vertreter der im Zweckverband Strohgäu Wasserversorgung zusammengeschlossenen Kommunen zur Wasserwerksbesichtigung der Landeswasserversorgung in Langenau bei Ulm.

Bereits um 1900 war zu erkennen, dass bei einer fortschreitenden Industrialisierung und einer rasant wachsenden Bevölkerung im mittleren Neckarraum die örtlichen Wasservorkommen nicht ausreichen würden, um den rasch steigenden Wasserbedarf zu decken.

Deshalb gründete 1912 König Wilhelm Ⅱ von Württemberg die staatliche Landeswasserversorgung. Sie versorgt heute rund 3 Millionen Menschen in 250 Städten und Gemeinden im nördlichen Baden-Württemberg und dem mittleren Neckarraum mit Trinkwasser.

Mit einer jährlichen Abgabe von ca. 90 Millionen m³ ist die Landeswasserversorgung heute eines der größten Wasserwerke in Europa.

Das Wasser stammt aus drei verschiedenen Vorkommen: Grund-und Quellwasser von der schwäbischen Alb und Flusswasser aus der Donau.

Das Grundwasser aus dem Donauried ist das wichtigste Standbein der Landeswasserversorgung. Aus über 200 Brunnen können dort bis zu 2500 Liter/Sekunde entnommen werden. Dabei wird sehr auf eine nachhaltige Entnahme geachtet. Das heißt es wird höchstens so viel Wasser entnommen wie über die jährlichen Niederschläge wieder zufließt. Dieses Wasser fällt als Niederschlag auf der Schwäbischen Alb, sickert durch das kalkhaltige Karstgestein und ist bis zu 20 Jahre unterwegs bis es im Donauried ankommt. Es hat in der Regel schon Trinkwasserqualität. Durch den hohen Kalkgehalt muss es jedoch enthärtet werden. Eigentlich ein ganz simples Verfahren: In riesigen Behältern wird von unten das kalkhaltige Wasser zugeführt. Oben werden ganz fein vermahlene Kalkpellets als Kristallisationskeime zugeführt. Diese sickern dann langsam nach unten und binden dabei den im Wasser gelösten Kalk. Unten als kleine, hochreine Kalkpellets angekommen, werden sie abgesaugt. Ein Teil wird wieder fein vermahlen und wieder dem kalkhaltigen Wasser hinzugefügt. Der Rest geht in die industrielle Verwertung, in die pharmazeutische Industrie als Grundstoff für Tabletten und als Calciumzusatz für die Tiernahrung. Das oben aus dem Behälter fließendende entkalkte Wasser hat dann 13° Wasserhärte, was dem Härtegrad mittel entspricht. In Quarzsand- und Aktivkohlefiltern wird es dann zum Schluss von eventuell noch vorhandenen Schadstoffen und Keimen befreit.  

Das zweite wichtige Standbein ist Oberflächenwasser aus der Donau. In sechs Verfahrensschritten wird es zu Trinkwasser aufbereitet. In sogenannten Reinwasserbehältern (siehe Foto), riesigen unterirdischen Hallen, wird das Trinkwasser zwischengespeichert und dann auf die Hochfläche der Alb hochgepumpt. Von dort aus fließt es dann in ca. 2 Tagen zu den örtlichen Wasserwerken. Wobei die Strohgäu Wasserversorgung der westlichste Abnehmer ist.

Es ist schon sehr beeindruckend, welcher Aufwand betrieben wird, damit wir auch in trockenen und heißen Sommer immer ausreichend Trinkwasser zur Verfügung haben.

In vielen Ländern der Erde ist das keinesfalls selbstverständlich.

Für die Freien Wähler

Günter Ramsaier


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    • 16.03.2019
    • 16.03.2019